Nov 29

Gestern auf der Arbeit begegnete mir folgendes Bibelwort:

Da er solches gesagt, spützte er auf die Erde und machte einen Kot aus dem Speichel und schmierte den Kot auf des Blinden Augen (Joh 9,6 Luther 1912)

Kot? Mein erster Gedanke war: igitt, was soll das heißen. Ich wusste aus dem Urtext und aus der Lutherbibel von 1984 das es “Brei” heißen müßte, also griff ich zu J.C. Adelungs: Grammatisch – kritischem Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart und las dort den Artikel über dieses Wort und siehe da:

Der Koth, des -es, plur. inus. eine jede flüssige oder flüssig gewesene Unreinigkeit, welche in der niedrigern Sprechart Dreck genannt wird. Sich mit Koth besudeln. Den Koth abwaschen. Besonders, 1) mit Wasser befeuchtete oder flüssig gemachte Erde, besonders so fern sie sich auf den Straßen oder Wegen befindet; im Nieders. Modder, im Liefländ. Mott, im Dithmars. Kley. Der Koth hängt sich an die Räder. Man kann vor Koth auf der Straße nicht fort. Die Sonne schmelzt das Wachs und trocknet den Koth. Die Sonne beschmutzet ihre Strahlen nicht, wenn sie gleich auf den Koth fallen. Es lieget überall tiefer koth. Jemanden aus dem Kothe ziehen, figürlich, ihn aus dem niedrigsten Stande erheben. Das Glück ziehet aus dem Kothe, welche es will.
2) Die natürlichen Excremente der Menschen und Thiere; bey den Jägern die Losung, die Lösung, das Gelos, Gebahn, im gemeinen Leben Dreck. Menschenkoth, Taubenkoth, Pferdekoth, Schweinskoth u.s.f. Harter zusammen gedrungener Koth mancher Thiere, z.B. der Mäuse und Schafe, wird in Niedersachsen Köthel, Köttel genannt, welches aber zu einem andern Stamme zu gehören scheinet, von kat, kot, rund, erhaben, und el, ein Ding, S. 7. Katze; oder von kat, kot, hart, S. 6. Katze.

Nun gibt der Kotflügel natürlich mehr Sinn, denn auch wenn früher mehr Menschen ihren Kot auf die Straße gemacht haben, wäre die Menge wohl keine Rechtfertigung für dieses Teil gewesen.
Man lernt halt immer wieder was dazu.

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