Gestern Abend bin ich per Zufall in die Talkrunde “Menschen bei Maischberger” zum Thema: “Angriff der Gottlosen: Vergiftet Religion die Welt?” geraten.
Was dort mit wem diskutiert wurde, fasst Süddeutsche.de ausführlich zusammen, weswegen ich mich auf deren Darstellung beziehe statt mühevoll zu versuchen mich selbst zu erinnern.
Zunächst die Gästeliste:
Janosch
“Katholisch geboren worden zu sein, ist der größte Unfall meines Lebens”, sagt der religionskritische Kinderbuchautor. Schon als Kind hätte ihn die Lehre von der Erbsünde verschreckt. Janosch erregte zuletzt mit seinen religionskritischen Zeichnungen Aufsehen.Schwester Jordana
“Religion ist für mich untrennbar mit dem Dasein für Menschen verbunden”, sagt die Schwalmtaler Dominikanerin und Sprecherin des “Wort zum Sonntag”. Mit 21 Jahren legte die Kinderkrankenschwester ihr Ordensgelübde ab.Peter Scholl-Latour
Deutschlands erfolgreichster Sachbuchautor ist streng gläubig und betet täglich. Scholl-Latour bedauert, dass sich die katholische Kirche in vielen Bereichen zu stark modernisiert habe. Der politische und gesellschaftliche Einfluss der Religion indes sei stark wie nie.Horst Herrmann
“Der Katholizismus ist die infantilste Religion, weil sie ihren Schafen das Denken verbietet”, sagt der Religionssoziologe. 1970 wurde Horst Herrmann jüngster katholischer Theologieprofessor. Nach Auseinandersetzungen mit der Kirche entzog man ihm die Lehrerlaubnis.Matthias Matussek
“Unter den Deutschen gibt es eine Renaissance des religiösen Gefühls”, glaubt der Kulturchef des “Spiegel”. Matthias Matussek ist überzeugt, “dass jede Gesellschaft einen Glaubenskern hat, der geschützt werden muss. Gesellschaften, die ihn verloren haben, sind debil”.Hans Küng
Der frühere Weggefährte von Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., zählt zu den schärfsten Kritikern der katholischen Kirche. Er stellt die Allmacht der Päpste in Frage und plädiert für die Priesterweihe von Frauen sowie die Abschaffung des Zölibats. (Quelle: daserste.de)
Mir persönlich sind bei der Diskussion vor allem zwei Dinge auffgefallen:
Zum einen ging es zumeist um die katholische Kirche und ihre Lehren, das Thema sollte allerdings die Religion sein. Meist ging es dann auch nicht um biblische Glaubensinhalte sondern frömmigkeitspraktische und dogmatische Fragen, die sich zumeist nicht einmal der Kirchenlehre an sich, sondern eher Individuen und ihrer Interpretation der Kirchenlehre anrechnen lassen.
Wenn beispielsweise Horst Hermann aus seiner Beichtpraxis erzält, das Frauen im Beichtstuhl Höllenängste gelitten hätten, weil sie Freitags Fleisch gegessen haben und dies in den markigen Worten zusammenfasst:
“Die Liebe und Zuneigung Gottes kann doch nicht an einer Frikadelle hängen!”.
Dann offenbart er damit vor allem seine Unkenntnis in der Bibel, denn schließlich wurden diese Fragen auch dort bereits diskutiert und Jesus kommt zu dem Schluß: Was zum Munde eingeht, das verunreinigt den Menschen nicht; sondern was zum Munde ausgeht, das verunreinigt den Menschen. Mt. 15,11 etc.
Zum anderen fiel mir auf, das die Scheinbare Alternative zur Religion in einem Freiheitsdenken bestand, deren Grundprämisse es war, sein Leben selber bestimmen zu können. Natürlich ist dies ein Grundsatz menschlicher Freiheit, aber ein vernünftig denkender (und das meinen eben die Religionskritiker ja im Gegensatz zu den Gottgläubigen zu sein) Mensch, müsste doch in der Lage sein zu erkennen, daß es Dinge im menschlichen Leben gibt, die er nicht frei bestimmen kann.
Wenn es zum Beispiel darum geht, daß die “so kinderliebe” Schwester Jordana, nun wegen des Nonneseins sich entschlossen habe, keine eigenen Kinder zu bekommen, stellt keiner die Frage, ob es denn beim Kinderwunsch allein um eine Willensentscheidung gehe. Schließlich gibt es auch noch andere kinderliebe Menschen, die obwohl sie nicht zolibatär leben, keine Kinder bekommen können.
Zusammenfassend läßt sich also sagen: Es war eine spannende Sendung, herausgekommen ist aber nichts außer den üblichen Vorwürfen an die (vor allem katholische) Kirche. Solange die Religionskritik auf so einem Niveau bleibt, hat die Kirche wohl nicht viel zu befürchten.
Was die Frage nach der Verbinddung von Religion und Gewalt angeht, da hat Schwester Jordana im Wort zum Sonntag übrigens passende Worte zum Martinstag gefunden.
Und zum Abschluß noch ein Zitat von Harald Schmidt, nicht aus “Menschen bei Maischberger” sondern aus einem Interview mit der Schweizer “Weltwoche”:
“Ich glaube definitiv an die Auferstehung… Mir hat mal ein Urologe erzählt, auf dem Sterbebett werden alle katholisch. Diese Erfahrung habe ich auch selbst gemacht, denn ich war während des Zivildienstes in einer Pfarrei beschäftigt. Da wurde der Pfarrer von sogenannten Atheisten schreiend ins Krankenhaus geholt, wenn der Tumor im Endstadium war. Ich glaube, ob man Atheist ist, kann man erst auf den letzten Metern sagen.” [gefunden dank Gott.net]





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