
Titelt BILD in einem von Kai Diekmann gemeinsam mit “Hürriyet”-Chef Ertugrul Özkök verfassten Kommentar zum “Drama von Ludwigshafen” und BILDblog übertitelt dies mit: “Sagt der Richtige“.
Bei Libertas-Cara regt man sich über die türkische Presse und Staatschef Erdogan auf,
Tatsächlich springt Erdogan auf den Zug der türkischen Presse auf, die ohne jeden Hinweis einen Anschlag hinter der Brandkatastrophe vermutet, Hakenkreuze abdruckt und Falschmeldungen über weitere brennende Häuser in Deutschland verbreitet, in denen angeblich Türken zu Schaden gekommen seien. Es ist unappetitlich und gefährlich, die Türken in unserem Land aufzuhetzen (Wo bleibt eigentlich der Medienrat?).
und beklagt sich, dass “der außenpolitische Berater des türkischen Ministerpräsidenten den Spieß einfach umdrehe und den Wahlkampf von Ministerpräsident Koch dafür verantwortlich macht, dass die türkischen Medien hinter der Ludwigshafener Brandkatastrophe einen Neonazi-Anschlag vermuten”.
Dabei wird gefordert:
Die türkischen Medien müßten sich dafür entschuldigen, dass sie die Türken in Deutschland durch Falschmeldungen und Unterstellungen aufgehetzt haben.
Ulrich Pick vom ARD-Hörfunkstudio Istanbul kommentiert auf tagesschau.de:
Zurückhaltung ist geboten – auf beiden Seiten
“Nazi-Verdacht” titelten türkische Medien nach dem Brand in Ludwigshafen [...]. Die angesichts der noch ungeklärten Brandursache gebotene Zurückhaltung fehlt – wie so oft im deutsch-türkischen Verhältnis. Denn auch deutsche Medien und Politiker halten, das hat der Fall Marco W. gezeigt, zu wenig Maß.
War der Brand in Ludwigshafen ein Anschlag oder nicht? Diese Frage ist zur Stunde noch nicht geklärt. Und so lange etwas noch nicht klar ist, tut man gut daran, sich zurück zu halten. Doch im deutsch-türkischen Verhältnis ist Zurückhaltung eher die Seltenheit. [...]
Das Maß verfehlt haben [...] einige türkische Medien, die die Befürchtungen, es könne sich in Ludwigshafen um einen Anschlag gehandelt haben, ihren Lesern und Zuschauern als Realität verkaufen. Wer nur von “Nazi-Verdacht” schreibt und sich fälschlicher Weise über eine zu langsame Feuerwehr mokiert, verunstaltet Journalismus zur Hetze. Auffällig ist in diesem Zusammenhang übrigens, dass die Zeitungen, die in der Türkei gedruckt werden, maßvoller sind als die türkischen Blätter, die in Deutschland gedruckt werden – auch und gerade, wenn sie denselben Namen tragen. So schreibt die Europaausgabe der “Hürriyet” heute von Ludwigshafen als einem “Nest von Neonazis”. Diese üble Formulierung findet man zum Glück in der Türkeiausgabe nicht.Dass diese Art von Journalismus in Deutschland für Ärger und Entsetzen sorgt, ist verständlich. Doch wer jetzt losschimpfen möchte, sei daran erinnert, dass wir eine vergleichbare Geschichte bereits hatten und zwar in umgekehrter Richtung. Im Fall Marco W. zogen deutsche Medien ohne genaue Kenntnis der Lage über den angeblichen Unrechtsstaat Türkei her. Politiker wie Schäubles Parteikollege Volker Kauder polterten damals, wenn Marco nicht sofort aus dem Gefängnis entlassen werde, habe Ankara in der EU nichts zu suchen. So wenig wie damals Marcos Schuld oder Unschuld geklärt war, so wenig wissen wir jetzt bereits, ob der Brand in Ludwigshafen ein Anschlag war oder nicht.
Zudem sollten wir – wenn wir über türkische Reaktionen urteilen, nicht vergessen, dass wir in Deutschland bereits mehrere zum Teil tödliche Angriffe gegen Ausländer hatten. Zu erwähnen sind nur die Städtenamen: Solingen, Rostock, Mölln und Cottbus. Somit sind die Türken – so bitter das Bild in diesem Zusammenhang klingen mag – gebrannte Kinder.
Wir täten also auf beiden Seiten gut daran, Maß zu halten und uns zur Abwechslung mal die Sicht der anderen Seite zu Eigen zu machen.
Gut, die Aufzählung der Ortsnamen der “tödlichen Angriffe gegen Ausländer” finde ich peinlichen Betroffenheitsgestus, als ob die Nennung dieser Orte das Grauen ähnlich in Worte fassen würde wie die Nennung von KZ-Standorten.
Nur weil es in diesen Städten zu Anschlägen gekommen ist, reicht es nicht aus nur die Ortsnamen zu nenen, um auf die Taten hinzuweisen.
Aber ich schweife ab.
Was mich an diesem ganzen Thema fasziniert ist, das der Springer-Konzern auf beiden Seiten fröhlich mitmischt.
Die Marco W. und R.Koch Stimmung wurde durch BILD in Deutschland aufgeheizt und an der Brandstiftungsstimmung unter den deutschen Türken ist mit “Hürriet” die Zeitung Schuld, die für BILD einst die Marco-Exclusivberichte einfuhr.
Da gibt es doch irgedeine Verbindung zwischen beiden Verlagen?
Und nun als krönender Abschluß dieser gemeinsame Aufruf beider Chefredakteure an die Politiker beider Länder: “Schürt kein Misstrauen!” und man möchte unweigerlich hinzufügen: “das machen WIR schon!”





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