Davon, dass es junge Menschen gibt, die sich erotische Manga-Zeichnungen ansehen, hatte ich ja schon gehört, nun hatte ich auf der Konferfreizeit am Wochenende die Gelegenheit so ein Heft zu konfiszieren und mir eine Meinung zu bilden. Es handelte sich um einen Band der “Manga Love Story”, von der es laut Amazon.de schon über 31 Bände gibt. Nun vermag der Titel etwas irritieren, denn es ging wenig um Lovestory als viel mehr um nackte Haut und vokalische Dialoge mit vielen aahhs und oohhs. Noch mehr irritiert haben mich allerdings die Geräuschblasen mit lautmalerischen Beschreibungen wie “schmatz”, “flutsch”, “glitsch”, “grabsch” etc. Daneben gab es noch eckige Kästchen mit technischen Anmerkungen wie:
“um an die Brüste zu greifen, muss man den Kimono ein bischen hochschieben”
und ähnliches
und was mich am meisten irritierte: Querschnittszeichnungen (Wie man sie aus Biologiebüchern kennt). Deshalb verwundert es kaum, dass es in einer Rezension bei amazon.de heisst:
Was ihr schon immer über Sex wissen wolltet aber nie zu fragen wagted: Manga Love Story beantwortet alle Frage ausführlich, aber niemals trocken theoretisch oder lehrhaft, sondern witzig und humorvoll.
Wäre die Aufklärung etwas weniger bildlich (also es geht in Manga Love Story ganz schön zur Sache und in der Öffentlichkeit lese ich ihn nicht), wäre der Manga durchaus für den Ausklärungsunterricht geeignet.
Ob allerdings die zweite Einschätzung
Aber es geht nicht nur um Sex, sondern auch um Beziehungsfragen werden angesprochen.
des gleichen Rezensenten zutrifft, möchte ich doch sehr bezweifeln.
Die Wahrscheinlichkeit das eine Aktion die mit “Grapsch” vertont wurde vom realen, weiblichen gegenüber mit “Zonk” im Stil der alten Batman-Filme beantwortet werden könnte, scheint mir doch recht hoch. Das Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Pornographie wurde ja schon immer anhand der Bravo diskutiert und Hauptsächlich das Aussehen der dort entblösten (Isch bin dö Rigö aus Zwiggau, meine Höbbys sinn läsen, rodfohrn unn schwimm…) lässt sich wohl im Sinne der Aufklärung statt der “Inspiration” ins Feld führen. (Ja, natürlich haben wir auch die aktuellen Ausgaben der Jugendzeitschriften zu Studienzwecken an diesem Wochenende begutachtet.) Zumindest gibt sich der Manga Mühe die Bedürfnisse konservativer Leser zu berücksichtigen, denn die beiden Akteure sind verheiratet und hatten wohl ihren ersten Sex auch erst nach der Hochzeit (Ob sich das Heft deswegen für evangelikale eignet ????). Naja, ich denke auf jeden Fall, dass die Leser dieser Hefte noch eine andere Aufklärung brauchen, als ihnen diese Hefte bieten können. Der Besitzer dieses Heftes wird sicher die Chance haben, falls er den Mut hat sich das Heft bei unserem Diakon abzuholen…
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